Jeremia

Jer 5,3 C.Eichhorn Am Glauben liegt's Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben. Jer. 5, 3

Glauben steht gegenüber dem eigenen Tun und Wirken. Wer an den Herrn glaubt, der gibt sich auf, läßt sich fallen. Er rechnet mit ihm und erwartet alles von ihm. Von Natur stehen wir im Selbstvertrauen, wir glauben an uns, an unsere Kraft und Tüchtigkeit, an unser besseres Selbst. Weltmenschen wissen nichts vom Vertrauen auf die Macht Gottes, noch weniger vom Vertrauen auf die Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Das ist für ihren hochmütigen, trotzigen Sinn etwas Verächtliches. Selbst ist der Mann! lautet ihr Wahlspruch. Kinder und schwache Frauen oder alte Leute mögen im Gefühl ihrer Ohnmacht aufblicken und die Hände falten. Sie als starke Menschen bahnen sich selbst den Weg durchs Leben. Sie brauchen keinen Gott und noch viel weniger einen Heiland. Gott hat nicht Wohlgefallen an jemandes Beinen, auf denen er so fest und sicher zu stehen meint (Ps. 147, 10). Seine Augen sehen nach dem Glauben, auf die, welche auf seine Güte hoffen (Ps. 33, 18). Alle wirklich Frommen, auch im Alten Testament, waren Glaubensmenschen. Das zeigt uns der Brief an die Hebräer (Kap.11). Am Beginn des Menschengeschlechts stehen zwei Brüder, Kain und Abel, der eine ein Glaubensmensch, der andere ein Vertreter des Unglaubens bei allem frommen Schein und äußeren Gottesdienst. Denn Kain stand auf seinem eigenen Selbst. Er suchte seine Ehre, war voll Neid, Haß und Eifersucht gegen Abel. Er war daher unfähig zu glauben (Joh. 5, 44). Er war ein Erdenmensch und nach oben verschlossen. "Der Gerechte lebt auf Grund seines Glaubens", nicht auf Grund seines Tuns. In diesem Wort Habakuks spricht sich kurz und bündig aus, daß Glaube allein die Gott wohlgefällige Grundstellung des Herzens ist.

- So ist denn auch bei der Bekehrung der Glaube das Entscheidende. Eine Bekehrung ohne Glauben an die Gnade Gottes ist eine gesetzliche oder eine selbstgemachte Bekehrung. Sie ist nur eine solche vor Menschenaugen. Sie räumt nur auf mit den sichtbaren und groben Auswüchsen der Sünde. Einen neuen Grund, eine Lösung von den Fesseln der Selbstsucht kann nur die Gnade zustande bringen, die der Glaube ergreift. Dann ist es eine wesenhafte Umgestaltung und nicht eine Scheinbekehrung. - Darum rufen auch die Gottesmänner im Alten Testament nicht nur zur Umkehr überhaupt auf, sondern zur Umkehr zu Jehova, dem Gott der Gnade, dem Erlösergott (2. Mose 34, 6.7; 5. Mose 4, 30; Joel 2, 12). Im Neuen Bund hängt erst recht alles am Glauben an Jesus Christus, in dem uns Gott seine Gnade und Barmherzigkeit darbietet.