Psalmen

Ps 63,2 J.Kroeker Über unsere Erquickungen vom Herrn.

"Wie gerne sehe ich Deine Macht so, wie ich Dich im Heiligtum sah." Ps. 63,3.

Zu allen Zeiten gab es im Leben der Glaubenden Höhepunkte des innerlichen Schauens und tieferen Erlebens. Man erlebte Gott in seiner Macht, man schaute Ihn in seiner Herrlichkeit. Dem Psalmisten war sein Weilen im Heiligtum zu solch einem Erlebnis geworden. Was "Aussprüche Gottes" ihm hier gegeben, was heilige Handlungen ihm hier von der Gegenwart und Herrlichkeit Gottes erschlossen hatten, das war die Welt, in welcher sich seine Seele heimisch fühlte.

Nun weilt er jedoch in der öden Wüste Juda. Hier schmachtete seine Seele wie in einem dürren Lande. Ja, die Wüste Juda, durch die wir bei Tag und bei Nacht geritten, ist grausig schön in ihren Formationen, jedoch arm an blühendem Leben! Die Wüste mit ihrem Versagen weckt im Psalmisten jedoch eine viel tiefere Not: Einen Durst nach Gott, den er vom ersten Morgengrauen an sucht, den er aber offenbar nicht finden kann. Gott in seiner Macht möchte er schauen, Gott in seiner Offenbarung möchte ihm auch in der Wüste gegenwärtig sein wie einst im Heiligtum.

Das ist heilige Sehnsucht nach gegenwärtiger Gottesherrlichkeit auch in den harten Wirklichkeiten unserer Alltäglichkeit. Letztere ist auch uns heute vielfach eine Wüste, in der erwachendes Leben verwelkt, bestehendes Leben verschmachtet aus Mangel an lebendigen Quellen. Ist es denn denkbar, dass Glaubende, die in der Welt Gottes heimisch geworden, auch in solch einer Alltäglichkeit Gott in seiner unmittelbaren Nähe erleben, die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes auf dem düsteren Hintergrunde ihrer Verhältnisse schauen dürfen? Ja, wenn Gottes Möglichkeiten nicht größer wären, als unser menschliches Können, wenn die Offenbarung seiner Herrlichkeit gebunden bliebe allein an Heiligtümern und Gottesdienste - dann allerdings müsste die Alltäglichkeit für uns eine Wüste bleiben, ein dürres Land, in dem unsere Seele zum Verschmachten verurteilt wäre. Gottes Macht jedoch kennt keine Grenzen in ihrem Handeln. Die Herrlichkeit Gottes steigt auch in das Leben einer fliehenden Hagar hinab. Sie öffnet das Auge der Verschmachtenden und Irrenden in der Wüste Beer-Seba, dass sie einen Wasserquell entdeckt, aus der sie ihren leeren Schlauch wieder füllen kann für sich und ihren Sohn. Sie lässt durch den Mund des Propheten einer Witwe in Zarpath sagen: "Das Mehlfass soll nicht leer werden und das Öl im Krug nicht mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr wird regnen lassen auf Erden."