1. Mose

1Mo 17,1 W.Nee Als Abram 99 Jahre alt war, erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir, dann wirst du unsträflich sein. 1. Mose 17,1

Nicht zu dem starken Abram, der in Ismael einen Sohn hatte zeugen können, sagte Gott diese Worte. Er wartete, bis sein Diener ganz außerstande war, dasselbe, auch wenn er gewollt hätte, noch einmal zu tun. Erst dann kam Gott zu ihm mit dieser neuen Offenbarung seiner Allmacht.

Daß Abram seine frühere Tat bereut hätte, darauf deutet nichts hin. Vielmehr scheint ihm Ismael immer teurer geworden zu sein. Hatte er also seine Verfehlung nicht eingesehen? Hatte er kein Verlangen nach Gott gehabt? Wenn nicht, dann könnte man sagen, daß nach menschlichen Begriffen für ihn nicht mehr viel Hoffnung war. Aber die Hoffnung hing nicht so sehr davon ab, ob er Gott suchte, als davon, ob Gott ihn suchte. Und Gott suchte und wollte ihn! Er war noch immer in seinem Diener am Werk. Er hatte ihn nicht fallen lassen. »Erkenne, daß ich allmächtig bin«, sagte Gott, »und dann wandle im Licht dieser Erkenntnis«. Denn »unsträflich sein« heißt unter anderem, »in Schwachheit unsträflich sein«, heißt, daß man es Gott dem Allmächtigen überläßt, alles zu tun.





D.Rappard Wandle vor mir und sei fromm. 1. Mos. 17,1.

D e r s e l i g e W a n d e l i n G o t t e s G e g e n w a r t war das Ziel, dem fromme Seelen in vergangenen Jahrhunderten nachstrebten. Ein herrliches Ziel, von Gott selbst schon Abraham, seinem F r e u n d e (Jes. 41, 8) vorgestellt: W a n d l e v o r M i r!

Gar lieblich ist, was eine arme Magd einst darüber gesagt hat (1606): ,,So wie ich erwachte, warf ich mich in Gottes Arme, wie ein Kind es mit seinem Vater tut. Ich kniete vor ihm nieder und sprach mit ihm als ob meine Augen ihn sähen. Ich bat ihn, seinen vollkommenen Willen in mir zu erfüllen und mich zu behüten, daß ich ihn nicht im mindesten betrüben möchte. - Wenn ich mich ankleidete, war ich in seiner Gegenwart, und wenn ich an die Arbeit ging, verließ ich ihn nicht, und er verließ mich auch nicht.

Meist ließ mir mein Dienst keine Zeit, im Lauf des Tages ein einziges Vaterunser zu beten; aber er hatte mich gelehrt, daß alles, was man in seiner Liebe tut, wahre Anbetung ist. - Er arbeitete mit mir und ich mit ihm; und ich fühlte mich ihm eben so nah, als wenn ich vor ihm im Gebete lag." Das ist in aller Einfalt ein seliger Wandel in Gottes Gegenwart.

Komm, Du nahes Wesen, Dich in mir verkläre, Daß ich Dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, sitz und steh Laß mich Dich erblicken Und vor Dir mich bücken!





J.Kroeker Von der Erkenntnis Gottes.

"Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: Ich bin El Schaddai (Gott, der Allmächtige)! Wandle vor mir und sei tadellos." 1.Mose 17,1.

So redete Gott einst durch Abraham. Und Er hat der Welt durch seinen Propheten viel gegeben: ein Gottesbild, wie man es damals nicht kannte. Welches aber war die große Kunde, die letzthin Abraham durch sein ganzes Leben der Welt brachte? Sie lässt sich vielleicht in jene Selbstoffenbarung Gottes fassen, die Abraham in seinem neunundneunzigsten Lebensjahre mit den Worten empfing: Ich bin El-Schaddai - Gott der Allmächtige, wandle vor mir und sei tadellos. Verhalte dich dementsprechend in deinem Leben und in deinen Erwartungen, dass Ich der Allesvermögende bin. Denn das hebräische Wort, das mit fromm oder tadellos übersetzt wird, bedeutet aufrichtig oder ungemischt. Auf diesen wunderbaren Glaubensblick für Gottes Können war das ganze Leben Abrahams - trotz aller zeitweiligen Schwankungen innerlich eingestellt. Sein Leben bekundete: Gott kann! Gott kann aus einer untergehenden chaldäischen Welt erlösen und den, der Ihm vertraut, auf einen Boden verpflanzen, wo sein Leben und seine Person zum Anfang und zum Träger einer neuen Geschichte wird. Gott kann auch ein unfruchtbares Leben zur rechten Stunde fruchtbar machen und der Sarah in ihren alten Tagen in dem Isaak ein Lachen bereiten.

Wollte dieses Vertrauen im Leben Abrahams auch je und je angesichts neuer Proben und Prüfungen und langer Wartezeiten schwach werden, musste Gott seinem Propheten auch immer wieder aufs Neue bezeugen, dass Er zu Seiner Stunde zu erfüllen vermag, was er als Verheißung ihm gegeben hat, so ist doch der große Gesamtertrag, der uns aus dem Leben Abrahams als unvergängliches Zeugnis geblieben ist: Gott kann! Und ein Gott, der da kann, ist es wert, dass man Ihm unbedingt vertraut! Abraham wagte daher im Blick auf das Können und die Verheißungen Gottes die Konsequenzen in seinem Leben zu ziehen. So wurde er zum Vater des Vertrauens und zum Propheten für Gottes große Möglichkeiten.

Und bis heute schämen sich die Gläubigen seiner nicht. Sie freuen sich, in Abraham den geistigen Vater aller Glaubenden zu sehen. Aber so groß es auch war, was Gott durch Abraham der Welt gab, das was uns durch den Sohn gegeben worden ist, konnte uns Abraham nicht geben. Denn siehe, hier ist mehr denn Abraham. Unendlich größer und klarer ist der Welt das Bild Gottes aufgegangen im Antlitze Jesu Christi. Im Sohne wurde uns Verlorenen ein Vaterbild sichtbar, wie kein Prophet es je der Welt hätte künden können. Zu Gott als seinem Vater kommt daher nur, wer im Antlitze Jesu den Vater der Barmherzigkeit mit seiner großen Vergebungsbotschaft sehen lernt.





J.Kroeker Von den Kraftquellen unseres Glaubens.

"Als nun Abraham 99 Jahre alt war, erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: Ich bin Gott der Allmächtige. Wandle vor mir und sei tadellos!" 1.Mose 17,1.

Abraham griff in seinem Leben Gott vor und da wurde ihm Ismael geboren. Er glaubte, dass das bereits der Erbe sei, der ihm von Gott verheißen worden war. Klagend bleibt er daher eines Tages vor Gott stehen: "Ach, dass Ismael doch vor Dir leben möge!" "Nein", sagte Gott, "sondern der von Sarah Geborene soll dein Erbe sein." Warum? Es verkörperte sich in Ismael die Kraft Abrahams und nicht die Kraft Gottes. Ismael war entstanden auf Grund des menschlichen Vorgreifens und war nicht die Gabe Gottes, die dem Glauben werden sollte.

Und doch, was wäre aus Abraham geworden, wenn er nicht auf diesem Boden seiner menschlichen Kraft aufs neue Gott erlebt hätte? Ich weiß nicht, wie weit wir uns selbst in unserem tiefsten Erleben kennen gelernt haben. Ich habe jedoch bei mir persönlich und im Glaubensleben anderer immer wieder gefunden, dass es mit am schwersten ist, Gottes Stunde abzuwarten. In der Regel wird es uns dann am schwersten, wenn es sich auch in unserem Leben um eine sehr klare und bestimmte Gottesverheißung handelt. Da kommen wir immer wieder auf denselben Gedanken, auf den eines Tages Abraham kam: wir müssen unserem Gott zu Hilfe kommen, damit seine Verheißung auch in unserem Leben Erfüllung werde. Nur so war es auch in dem Leben eines Abraham zur Geburt eines Ismael gekommen.

Ich führe das nur an, um uns wiederum den Hintergrund zu zeigen, auf dem der Glaube Gott erlebt. Was wäre aus der ganzen Zukunft eines Abraham geworden, wenn Gott ihn auf diesem Boden gelassen hätte! Ihm wäre nie der wirklich Verheißene geboren worden. Aus einem Ismael wäre nie jener Träger des Segens für die Zukunft geworden, wenn der Herr einen Abraham auf dem Boden seines eigenen Vorgreifens gelassen hätte?

Wir lesen aber so wunderschön in dem 17. Kapitel: "Denn Ich bin dein Gott, der Allmächtige, wandle vor mir und sei tadellos." Das war wiederum das Herantreten Gottes an jenen Abraham, der da geglaubt hatte, mit menschlichen Mitteln mithelfen zu sollen, damit die empfangene Gottesverheißung Erfüllung werde. War doch Abrahams Handeln nichts anderes gewesen als ein Vorgreifen von menschlicher Seite mit nicht von Gott erwählten Mitteln. Da war es Gott, der sich ihm enthüllte als der, der da alles vermag. "Abraham, damit hast du nicht gerechnet in deinem Vertrauen, dass Ich der Allmächtige bin. Wenn es auch den Anschein hat, als ob dir alle natürlichen Vorbedingungen genommen werden sollten, damit du einen Isaak empfängst, siehe, Ich kann dir dennoch zu meiner Stunde den Isaak geben, denn Ich bin der Allmächtige."