2. Timotheusbrief

2Tim 2,8 S.Keller 2. Tim. 2, 8: «Halte im Gedächtnis Jesum Christum, der auferstanden ist von den Toten.»

Was man fest im Gedächtnis hat und behält, das ist einem jeden Augenblick gegenwärtig, bereit zum Gebrauch. Dabei braucht es keine auswendig gelernte Sache zu sein, sondern das Gedächtnis ist hier als die immer mit uns gehende Vorratskammer von Gedanken verstanden. Der Braut braucht man das nicht erst groß in die Seele zu binden: Vergiß deinen Bräutigam nicht! Wenn man es müßte, stünde es schlecht um ihre Liebe bestellt. Warum denn die Mahnung, Jesum Christum, der von den Toten auferstanden ist, immer in Gedanken behalten? Vielleicht liegt hier der Nachdruck auf dem Nachsatz: Daß er der Lebendige ist! Wenn man an einen Toten denkt, springt aus solchem Gedenken keine Kraft; höchstens treue Anhänglichkeit, ein längeres Durchwintern von Gefühlen. Aber der Lebendige! Das ist eine Kraftquelle. Bin ich in meinen Gedanken eine Stoßkraft, eine treibende, drängende Macht für mein Leben. Werde ich mit solchen Gedanken verzagt, gedrückt, untreu, jämmerlich am Boden liegen bleiben? Oder reißen sie mich empor? Spricht er dann nicht stets zu mir: Ich lebe, und du sollst auch leben mit mir und durch mich?

Seit du mich gelehrt hast, Herr Jesus, an dich als Lebendigen, Gegenwärtigen denken, ward manches in meiner Gedankenwelt anders. Laß das noch stärker, lebendiger, wirksamer werden. Zeige mir, daß du an mich gedenkst. Sei du mit mir! Amen.