2. Korintherbrief

2Kor 12,11 D.Rappard Ich bin nichts. Ich habe nichts. Ich kann nichts. 2. Kor. 12,11; Luk. 11,6; Joh. 15,5.

Ist dieses dreifache Bekenntnis je aus der Tiefe deines Herzens gequollen? Es gibt Leute, die sich verächtlich, ja, ärgerlich von solchem Zugeständnis abwenden. Laut oder leise sprechen sie: Ich b i n etwas; ich h a b e, was ich brauche; ich k a n n tun, was ich will. Und so lange es sich auf bloß äußere Werte bezieht, mag es gelingen. Aber sowie es sich um geistliches Leben handelt, tritt das Unvermögen des natürlichen Menschen zutage. Da ist schon mancher eingebildete Tugendheld zuschanden geworden, und mancher, der mit erhobenem Haupt durch die Welt zu gehen gedachte, mußte sich tief bücken lernen, wenn er nicht sogar jämmerlich zugrunde ging.

Wohl denen, die beizeiten lernen, was in den drei oben angeführten Stellen so nachdrücklich betont wird! In der göttlichen Arithmetik muß man eine Null geworden sein, um dann, in Verbindung mit dem großen Eins, etwas zu werden. Denn es gilt sowohl das eigene Nichts als auch das göttliche Alles zu erkennen. Ich b i n nichts; aber mein Herr ist alles. Ich h a b e nichts; aber bei ihm kann ich stündlich holen, was ich bedarf. Ich k a n n nichts ohne ihn; aber mit ihm vermag ich alles.

Herr, wenn Du uns demütigst, machst Du uns groß. Ich danke Dir, daß Du mir mein Nichts offenbarst. Laß mich Dich so erfassen, daß ich durch Dich etwas werde, zu Lobe Deiner Gnade!